Stellungnahme der FIDS zum Online Spiel des Egerkinger Komitees
Das vom Egerkinger Komitee veröffentlichte Online Spiel zur sogenannten “Nachhaltigkeitsinitiative“ ist inzwischen zwar offline. Die Inhalte, Screenshots und Videos davon werden jedoch weiterhin breit über Social Media verbreitet. Gleichzeitig zeigen die Reaktionen und Kommentarspalten sehr deutlich, welche Dynamik mit dieser Kampagne ausgelöst wurde.
Im Spiel werden muslimisch gelesene Menschen, kopftuchtragende Frauen und migrantische Familien gezielt als Gefahr für die Schweiz dargestellt. Spielerinnen und Spieler erhalten Punkte dafür, Menschen symbolisch an der Grenze “abzuwehren“. Begleitet wird dies von Aussagen über „schleichende Islamisierung“, angeblich kriminelle muslimische Männer, „islamische Kolonien“ oder einer Schweiz, die sich vor Musliminnen und Muslimen schützen müsse.
Zusätzlich werden im Spiel selbst pauschale Behauptungen verbreitet, wonach Asylsuchende häufiger vergewaltigen, Messerangriffe begehen oder die Schweizer Kultur verdrängen würden. Muslimisches Leben wird dabei systematisch mit Gewalt, Frauenverachtung, Kriminalität und gesellschaftlichem Zerfall verbunden.
Das hat mit einer sachlichen Debatte über Zuwanderung oder Infrastruktur nichts mehr zu tun.
Besonders problematisch ist die Entmenschlichung durch die Spielmechanik selbst: Menschen werden zu Objekten gemacht, die man “abwehren“ muss, um Punkte zu sammeln. Die Grenze zwischen politischer Kampagne und gezielter Feindbildproduktion wird damit aus Sicht der FIDS klar überschritten.
Hinzu kommt das Umfeld auf Social Media. Unter den Beiträgen finden sich zahlreiche Kommentare, welche offen mit Angstbildern, pauschaler Hetze und Gewaltfantasien gegenüber Musliminnen und Muslimen arbeiten. Genau solche Kampagnen tragen dazu bei, dass Menschen im Alltag zunehmend unter Generalverdacht geraten: bei der Jobsuche, in Schulen, im öffentlichen Raum oder im gesellschaftlichen Zusammenleben insgesamt.
Die FIDS steht für eine offene demokratische Debatte. Kritik an Migration oder politischen Entwicklungen gehört dazu. Wenn jedoch ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv als Bedrohung dargestellt und symbolisch “bekämpft” werden, ist eine Grenze erreicht, die nicht einfach relativiert werden kann.
Die FIDS prüft deshalb derzeit rechtliche Schritte und steht dazu im Austausch mit juristischen Fachpersonen sowie weiteren Stellen. Auch die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) hat inzwischen öffentlich erklärt, dass es sich aus ihrer Sicht um potenziell strafbare Inhalte handeln könnte. Vor diesem Hintergrund wird derzeit auch die Einreichung einer Strafanzeige geprüft.
Hinweis (Stand: 6. Juni 2026): Das Online-Spiel war zwischenzeitlich offline, ist jedoch seit einigen Tagen wieder online zugänglich.
