Sicherheit in Moscheen während des Monats Ramadan

Verantwortung wahrnehmen, Gemeinschaft schützen

Der Monat Ramadan ist eine Zeit der Spiritualität, der Gemeinschaft und des Zusammenkommens. In vielen Moscheen steigt während dieser Wochen die Zahl der Besucherinnen und Besucher deutlich an, insbesondere bei den Tarawih-Gebeten, an den Wochenenden sowie in den letzten zehn Nächten des Monats.

Mit dieser erhöhten Präsenz gehen auch besondere organisatorische und sicherheitsrelevante Herausforderungen einher. Die Gewährleistung der Sicherheit aller Anwesenden ist Teil der Verantwortung der Moscheeverantwortlichen und dient dem Schutz der Gemeinschaft sowie der ungestörten Ausübung der Tarawih-Gebete.

Aktuelle Herausforderungen

Die Empfehlungen zur Sicherheit in Moscheen erfolgen nicht im luftleeren Raum. In den vergangenen Monaten kam es in verschiedenen Regionen der Schweiz zu islamfeindlichen Vorfällen, darunter Schmierereien an Moscheen sowie versuchte Brandstiftungen an Eingangstüren oder ähnlichem. Auch wenn es dabei teilweise zu keinen Personenschäden kam, verdeutlichen diese Ereignisse die reale Gefährdungslage und den Handlungsbedarf im Bereich Prävention und Schutz.

Diese Vorfälle stehen nicht isoliert, sondern reihen sich ein in eine Serie von Sachbeschädigungen, Störungen und feindseligen Handlungen, die muslimische Einrichtungen in der Schweiz in den vergangenen Jahren immer wieder betreffen. Solche Ereignisse, unabhängig von ihrer Schwere, wirken sich auf das Sicherheitsgefühl der Gemeinschaft aus und machen deutlich, dass präventive Massnahmen notwendig bleiben.

Gerade im Monat Ramadan, in dem Moscheen stärker frequentiert sind und auch nach aussen sichtbarer werden, ist eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Dabei geht es nicht um Alarmismus oder Abschottung, sondern um vorausschauende Organisation, klare Zuständigkeiten und den Schutz aller Anwesenden. Sicherheit ist in diesem Sinne ein Teil der Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz (FIDS) die folgende Checkliste als unterstützende Orientierung für Moscheeverantwortliche, mit dem Ziel, Prävention zu stärken und Handlungssicherheit zu fördern.

7-Punkte-Checkliste zur Sicherheit in Moscheen im Ramadan

1. Verantwortliches Personal für Notfälle bestimmen

Für Zeiten mit hohem Besucheraufkommen sollte klar festgelegt sein, wer im Notfall die Koordination übernimmt.
Empfohlen wird:

  • Ein definiertes Sicherheitsteam (angestellt oder freiwillig)
  • Klare Zuständigkeiten (Evakuation, Erste Hilfe, Kommunikation)
  • Erkennbarkeit der verantwortlichen Personen während der Anlässe

2. Evakuationskonzept vorbereiten und intern bekannt machen

Ein einfaches und verständliches Evakuationskonzept ist zentral.

Dieses sollte:

  • Den verantwortlichen Personen bekannt sein
  • Fluchtwege und Sammelpunkte festhalten
  • Auch neue Helferinnen und Helfer einbeziehen
    Kurze interne Briefings vor stark frequentierten Gebeten sind empfehlenswert.

3. Notausgänge und Fluchtwege jederzeit freihalten

Notfalltüren und Fluchtwege müssen ohne Einschränkung nutzbar sein:

  • Keine Gegenstände, Schuhe oder Teppiche in Fluchtwegen
  • Notausgänge dürfen nicht blockiert oder verschlossen sein
  • Beschilderung und Beleuchtung regelmässig überprüfen

4. Maximale Kapazität der Moschee einhalten

Die zugelassene Höchstzahl von Personen darf nicht überschritten werden, auch nicht bei besonders gut besuchten Gebeten.

Sinnvolle Massnahmen sind:

  • Festlegung einer klaren Besucherobergrenze
  • Gegebenenfalls geregelter Einlass
  • Berücksichtigung aller Gebetsbereiche (inkl. Frauen- und Nebenräume)

5. Besucherinnen und Besucher sensibilisieren

Sicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe.

Kurze Hinweise können helfen:

  • Durch kurze Durchsagen vor Beginn der Gebete
  • Durch Aushänge zu Fluchtwegen und Verhalten im Notfall
  • Durch ansprechbare Personen vor Ort
    Eine ruhige, sachliche Kommunikation fördert das Sicherheitsbewusstsein.

6. Kontakt zu Behörden und Präventionsstellen prüfen

Moscheen können von bestehenden staatlichen Präventions- und Unterstützungsangeboten profitieren, unter anderem im Bereich Beratung und sicherheitsrelevanter Massnahmen. Eine frühzeitige Information und Vernetzung erleichtern die Planung und Umsetzung geeigneter Schritte.

7. Besondere Rücksicht auf Kinder, ältere Menschen und Freiwillige

Während des Ramadans sind häufig Familien, Kinder und ältere Personen anwesend:

  • Klare Treffpunkte für Kinder festlegen
  • Gedränge vermeiden, insbesondere beim Ein- und Ausgang
  • Freiwillige nicht überlasten und ausreichend unterstützen

Prävention stärkt Vertrauen und Gemeinschaft

Sicherheitsmassnahmen in Moscheen dienen nicht der Verunsicherung, sondern dem Schutz der Betenden und der Gemeinschaft als Ganzes. Gute Vorbereitung, klare Zuständigkeiten und ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein tragen dazu bei, dass der Ramadan und das Eid Gebet in einer ruhigen, würdevollen und sicheren Atmosphäre begangen werden können.

Die FIDS ermutigt Moscheeverantwortliche, Sicherheit als Teil der organisatorischen Sorgfalt zu verstehen und bestehende Konzepte regelmässig zu überprüfen, im Sinne des Schutzes der Gemeinschaft und der freien Religionsausübung.

Hinweis zur Meldung von Vorfällen

Die genannten Empfehlungen dienen nicht nur der Prävention, sondern auch der systematischen Erfassung und Aufarbeitung von Vorfällen. Sollte es zu sicherheitsrelevanten Ereignissen kommen, etwa zu Sachbeschädigungen, Schmierereien, Bedrohungen oder anderen Angriffen auf Moscheen, Vereine oder islamische Einrichtungen wird empfohlen, diese konsequent zu dokumentieren und den zuständigen Behörden zu melden.

Ergänzend dazu bittet die FIDS, entsprechende Vorfälle auch über unsere Melde- & Beratungsstelle zu erfassen. Die Meldungen tragen gleichzeitig dazu bei, Betroffene zu beraten, Vorfälle sichtbar zu machen und die Interessen der muslimischen Gemeinschaft auf institutioneller Ebene zu stärken. Auf der Webseite der FIDS steht zudem ein erarbeitetes Schutzkonzept zur Verfügung, das Moscheen und islamischen Organisationen als praxisnahe Grundlage dient, um eigene Sicherheits- und Präventionskonzepte aufzubauen oder bestehende Konzepte weiterzuentwickeln.