Dialogabend der FIDS am 10. März 2026
Am 10. März lud die FIDS erneut zu einem Dialogabend mit gemeinsamem Iftar im Hotel Schweizerhof in Bern ein. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Religionsgemeinschaften und der muslimischen Zivilgesellschaft folgten der Einladung. Der Anlass bot eine wertvolle Gelegenheit, Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen zusammenzubringen und in einer offenen und respektvollen Atmosphäre miteinander ins Gespräch zu kommen.
Die Zusammensetzung der Gäste spiegelte bewusst die Vielfalt der Schweizer Gesellschaft wider. Vertreter:innen aus Wissenschaft, Verwaltung, NGO’s und Religionsgemeinschaften waren ebenso anwesend wie zahlreiche Muslim:innen, die sich beruflich oder privat engagiert in die Gesellschaft einbringen. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten oft zugespitzt geführt werden, sind persönliche Begegnungen und direkter Austausch wichtiger denn je.
Der Abend wurde mit einer Ansprache des FIDS-Präsidenten Önder Günes eröffnet. Mit dem Bild einer gemeinsamen Zugreise beschrieb er die Gesellschaft als Weg, den alle gemeinsam gehen und warnte davor, einzelne Gruppen aus diesem gemeinsamen Zug ausschliessen oder an den Rand drängen zu wollen. Mit einem humorvollen und selbstironischen Einstieg über die verschiedenen Schweizer Dialekte lockerte er zunächst die Atmosphäre, bevor er auf die Herausforderungen einging, mit denen Muslim:innen in der Schweiz konfrontiert sind.
Im Zentrum des Abends stand das Kopftuch – ein Thema, das in der Schweiz immer wieder kontroverse Diskussionen auslöst und viele Musliminnen direkt betrifft. Die teils kritischen und zugespitzten Stimmen in der öffentlichen Debatte bereiten vielen Sorge und zeigen zugleich, wie wichtig es ist, sich offen, differenziert und respektvoll mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Die Psychotherapeutin Sumejja Medii-Bilali eröffnete den thematischen Teil des Abends mit einem Einblick in die Bedeutung des Ramadan aus psychologischer Perspektive. Sie zeigte auf, wie der Mensch, sowohl geistig als auch körperlich, aus den Erfahrungen des Ramadan lernen kann, schwierige Situationen zu bewältigen und innere Stärke zu entwickeln.
Im anschliessenden Gespräch beantworteten die beiden Nationalrätinnen Irène Kälin und Nina Schläfli Fragen der FIDS-Generalsekretärin Fathima Ifthikar. Dabei ging es unter anderem um gesellschaftliche Wahrnehmungen, politische Debatten und die Herausforderungen, mit denen muslimische Frauen in der Öffentlichkeit konfrontiert sind. Die beiden Politikerinnen teilten ihre Einschätzungen zur aktuellen Diskussion und gaben wertvolle Hinweise, wie muslimische Akteur:innen mit den kommenden gesellschaftlichen Debatten konstruktiv umgehen können. Die Diskussion machte deutlich, wie wichtig offene Gespräche über unterschiedliche Perspektiven sind, um gegenseitiges Verständnis zu fördern.
Anschliessend richtete Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz und Vorsitzende des Schweizerischen Rats der Religionen, einige Worte an die Gäste. In ihrer Rede hob sie die vielen Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen hervor und verwies darauf, dass in diesem Jahr die christliche Fastenzeit und der Ramadan nahezu zeitgleich begonnen haben, zwei spirituelle Wege, die beide zur Besinnung, zum Innehalten und zur Gemeinschaft einladen. Mit Blick auf das Thema des Abends betonte sie, dass die Debatte um das Kopftuch zentrale Fragen von Freiheit und Selbstbestimmung berührt. Religiöse Kleidung gebe es in vielen Glaubenstraditionen, etwa bei Ordensfrauen, Diakonissinnen oder durch religiöse Zeichen wie die Kippa und sie sei Ausdruck einer persönlichen Glaubensentscheidung. Abschliessend unterstrich sie, dass ein friedliches Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft nicht allein durch Toleranz entstehen könne, sondern vor allem durch echtes Interesse, gegenseitigen Respekt und die Bereitschaft, einander zuzuhören.
Den emotionalen Abschluss des offiziellen Programms bildete der Poetry-Slam-Auftritt der jungen Künstlerin Achoaq Cherif. Mit ihren präzisen, eindringlichen und fein gewählten Worten berührte sie das Publikum tief. Ihr Beitrag brachte die Gäste zum Nachdenken, zum Lächeln und auch zu Tränen. Der bewegende Auftritt endete mit Standing Ovation und zeigte eindrucksvoll, welche Kraft Sprache und persönliche Geschichten entfalten können.
Die FIDS bedankt sich herzlich bei allen Gästen für ihre Teilnahme, ihre Offenheit und die konstruktiven Gespräche. Ein besonderer Dank gilt allen Personen, die mit ihrem Engagement zum Gelingen dieses inspirierenden Abends beigetragen haben. Begegnungen wie diese zeigen, wie wichtig Räume des Austauschs sind – gerade dann, wenn gesellschaftliche Fragen kontrovers diskutiert werden.












